Psychische Erkrankungen
Hilfe für Betroffene und Angehörige bei psychischen Erkrankungen
Psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen, Suchterkrankungen oder Psychosen sind häufig – und sie sind behandelbar. Trotzdem vergeht oft viel Zeit, bis Betroffene Hilfe suchen: aus Scham, aus Sorge, als „schwach“ zu gelten, oder weil sie gar nicht wissen, an wen sie sich wenden können. Auch Angehörige fühlen sich häufig allein gelassen. Diese Seite soll Ihnen einen Überblick geben, welche Anlaufstellen es gibt, was Sie in einer akuten Krise tun können und wie Familie und Freunde unterstützen können, ohne sich selbst zu überfordern.
Der erste Schritt: darüber sprechen
Eine psychische Erkrankung ist keine Charakterschwäche und kein persönliches Versagen, sondern eine Erkrankung wie andere auch. Warnzeichen können sein: anhaltende Niedergeschlagenheit oder Antriebslosigkeit über mehr als zwei Wochen, Schlafstörungen, starke Ängste oder Panikattacken, sozialer Rückzug, ein zunehmender Konsum von Alkohol, Medikamenten oder Drogen, auffällige Veränderungen im Denken und Verhalten oder körperliche Beschwerden, für die keine körperliche Ursache gefunden wird. Wer solche Veränderungen bei sich oder bei einem nahestehenden Menschen bemerkt, sollte sie ernst nehmen und offen ansprechen.
Erste Anlaufstellen
Hausärztin oder Hausarzt. Die Hausarztpraxis ist für viele die erste und wichtigste Adresse. Dort können körperliche Ursachen ausgeschlossen, eine erste Diagnose gestellt und Überweisungen zu Fachärztinnen und Fachärzten für Psychiatrie und Psychotherapie ausgestellt werden.
Psychotherapeutische Sprechstunde. Gesetzlich Versicherte können sich direkt, ohne Überweisung, an eine psychotherapeutische Praxis wenden. In der Sprechstunde wird geklärt, ob eine Behandlung nötig ist und welche Form sinnvoll ist. Bei der Suche nach einem Termin hilft die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung unter der Rufnummer 116117.
Fachärztliche und klinische Hilfe. Fachärztinnen und Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie behandeln auch medikamentös. Psychiatrische Institutsambulanzen und Tageskliniken bieten Behandlung für Menschen, die mehr Unterstützung brauchen, ohne stationär aufgenommen zu werden.
Sozialpsychiatrische Dienste und Beratungsstellen. In vielen Landkreisen gibt es Sozialpsychiatrische Dienste, Suchtberatungsstellen und psychologische Beratungsstellen, die kostenlos und vertraulich beraten – auch Angehörige.
Hilfe in der akuten Krise
Wer sich in einer seelischen Krise befindet, verzweifelt ist oder an Suizid denkt, muss damit nicht allein bleiben. In Bayern sind die Krisendienste unter der kostenlosen Rufnummer 0800 655 3000 rund um die Uhr erreichbar; sie beraten Betroffene und Angehörige und können bei Bedarf Fachkräfte vor Ort schicken. Die Telefonseelsorge ist ebenfalls Tag und Nacht anonym und kostenfrei unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222 erreichbar. Außerhalb der Praxisöffnungszeiten vermittelt der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 Hilfe.
Besteht akute Lebensgefahr – etwa wenn jemand ankündigt, sich das Leben zu nehmen, oder sich selbst oder andere gefährdet –, wählen Sie sofort den Notruf 112. Bleiben Sie wenn möglich bei der betroffenen Person, bis Hilfe eintrifft.
Selbsthilfe und Austausch
Selbsthilfegruppen bieten die Möglichkeit, sich mit Menschen auszutauschen, die Ähnliches erlebt haben. Viele Betroffene erleben das als große Entlastung: Man fühlt sich verstanden und erhält praktische Tipps für den Alltag. Selbsthilfegruppen gibt es für viele Erkrankungen, etwa für Depressionen, Angststörungen, Essstörungen oder Suchterkrankungen, und auch speziell für Angehörige. Eine Übersicht über Gruppen in der Nähe bieten die regionalen Selbsthilfekontaktstellen und bundesweit die Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (NAKOS).
Was Angehörige tun können
Angehörige spielen eine wichtige Rolle – und tragen oft eine große Last. Hilfreich ist es, sich über die Erkrankung zu informieren, um Verhaltensweisen besser einordnen zu können. Hören Sie zu, ohne zu bewerten, und machen Sie keine Vorwürfe. Ermutigen Sie die betroffene Person, sich professionelle Hilfe zu holen, und bieten Sie konkrete Unterstützung an, etwa die Begleitung zu einem Termin. Ratschläge wie „Reiß dich zusammen“ helfen nicht, denn eine Depression lässt sich nicht durch Willenskraft beenden.
Achten Sie dabei auch auf sich selbst. Sie dürfen Grenzen setzen und müssen nicht alles allein schultern. Beratungsstellen, Angehörigengruppen und der Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen bieten Information und Austausch. Wenn die Belastung zu groß wird, ist es kein Zeichen von Schwäche, selbst Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Medikamente sicher anwenden
Viele psychische Erkrankungen werden zusätzlich zur Psychotherapie mit Medikamenten behandelt, etwa mit Antidepressiva. Wichtig zu wissen: Antidepressiva wirken meist erst nach einigen Wochen, während manche Nebenwirkungen schon zu Beginn auftreten können. Setzen Sie Medikamente nicht eigenmächtig ab, sondern besprechen Sie Veränderungen immer mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Manche Wirkstoffe vertragen sich nicht mit Alkohol oder mit anderen Arzneimitteln – auch nicht mit rezeptfreien Präparaten wie Johanniskraut.
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